Michael Haller (Hrsg.) – Öffentliches Vertrauen in der Mediengesellschaft

Michael Haller untersucht die Frage "Wie groß ist das Vertrauen in die Medien?", Foto: Medien News Blog
Michael Haller untersucht die Frage "Wie groß ist das Vertrauen in die Medien?", Foto: Medien News Blog
Die Autoren des von Michael Haller herausgegebenen Buchs "Öffentliches Vertrauen in der Mediengesellschaft" schreiben über das sinkende Vertrauen in Institutionen und analysieren die Frage "Wie groß ist das Vertrauen in die Medien?"

Zerfällt das ›öffentliche Vertrauen‹ unter den Gegebenheiten des Web 2.0? Was bedeutet ›öffentliches Vertrauen‹ in Zeiten des Social Web und der digitalen Netzwerke? Ist es überhaupt noch notwendig für den gesellschaftlichen Zusammenhalt? Art und Bedeutung des Zutrauens von Bürgern in die Akteure des politischen Systems und der öffentlichen Einrichtungen haben sich durch die Internetmedien markant verändert. Daher ist eine Untersuchung der Begriffe ›Vertrauen‹ und ›Öffentlichkeit‹ sowie eine Diskussion theoretischer und empirischer Konzepte überfällig.

Haller sagte im Deutschlandfunk, dass vielen Nutzern im Umgang mit den Medien nicht immer klar sei, bei welchen Inhalten es sich tatsächlich um journalistische Arbeit handle. Unter dem Begriff „Medien“ würden sehr viele unterschiedliche Institutionen zusammengefasst – vom Internetkonzern über soziale Netzwerke bis hin zur Presse.

Haller: „Auf was gründet Vertrauen, wenn die von Medien erzeugte Öffentlichkeit, in die vertraut werden soll, schon morgen eine andere sein wird als heute und die heutige eine andere ist als die von gestern.“

Polarisierung der politischen Meinungen, Politikverdrossenheit, Misstrauen gegenüber den Informationsmedien, Angst vor sozialen Konflikten, Rückzug in die Community: Demoskopische Erhebungen zeigen einen massiven Vertrauensverlust der Gesellschaft gegenüber Staat, Parteien und öffentlichen Institutionen sowie den Medien. Verunsicherung breitet sich aus.

Im Vorwort des Buches „Öffentliches Vertrauen in der Mediengesellschaft“ zitiert Haller den damaligen Bundestagspräsidenten Norbert Lammert, der den Vertrauensverlust in die politische Klasse beklagte und in diesem Zusammenhang in einer Talksendung im Juli 2012 von Markus Lanz sagte: „Wir erleben seit längerer Zeit einen massiven Vertrauensverlust für nahezu alles und jedes, die Wirtschaft, die Banken, die Kirchen, die Medien, der Sport.“ Beschädigt sei – so Lammert – das „Grundvertrauen der Öffentlichkeit“ in die Institutionen.

Die Autoren des vorliegenden Buches sind Kommunikations- und Medienwissenschaftler, Informatiker und Marktforscher. Sie untersuchen das Konstrukt »öffentliches Vertrauen« unter den Bedingungen der digitalen Gesellschaft aus ihren jeweiligen Perspektiven. Diese Interdisziplinarität wird durch die Gliederung des Bandes in vier Themenbereiche unterstrichen.

Eröffnet wird das Buch mit einem Beitrag des Herausgebers, der die gängigen Öffentlichkeitstheorien auf der Suche nach einem brauchbaren Konzept für die Social-Media-Welt kritisch durchsieht. Seine Analyse mündet in Vorschlägen, wie das überkommene Vertrauenskonzept ersetzt werden könnte.

Im Anschluss werden die für den Journalismus, für die sozialen Medien und für Public Relations geltenden Vertrauenskonzepte geprüft und erörtert. Aufgezeigt werden auch die Möglichkeiten des Text Mining zur Analyse von Vertrauensindikatoren sowie die auf Vertrauensbildung ausgerichteten marktwirtschaftlichen Programme. Abschluss und Ausblick bietet ein Essay von Clemens H. Cap über das Vertrauen in der Krise. Im Fokus stehen die Online-Medienkonzerne, die Vertrauen vorgaukeln, um die Nutzer als Datengeber willfährig zu machen: Warnende Fingerzeige auf die digitale Feudalgesellschaft.

Michael Haller (Hrsg.)
Öffentliches Vertrauen in der Mediengesellschaft, 2017, Herbert von Halem Verlag, Köln

Michael Haller, Prof. Dr. phil., geboren 1945, war während 25 Jahren als Journalist in leitender Funktion in verschiedenen Medien des deutschen Sprachraums tätig. Von 1993 bis zu seiner Emeritierung Ende 2010 hatte er den Lehrstuhl für Journalistik an der Universität Leipzig inne und war wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Praktische Journalismus- und Kommunikationsforschung in Leipzig. Seine Hauptforschungsgebiete: Redaktions- und Qualitätsforschung sowie journalistische Methoden und Berufsethik. Er ist Verfasser zahlreicher wissenschaftlicher Publikationen und einschlägiger Standardwerke zum Journalismus.

Knut Kuckel

Journalist, Publizist, Mediennetzwerker. Berufliche Stationen: Belgischer Rundfunk (BRF), Südwestrundfunk, SWR, Hessischer Rundfunk (hr). Follow @KnutKuckel

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